Tag Y, Tag Z usw.

Nicht obwohl, sondern gerade weil ich literarisch aktuell vier angefangenen „Projekten“ (ist ja heutzutage alles, was man so prokrastiniert) zu wenig Aufmerksamkeit und Fleiß widme, schreibe ich ein paar weitere Zeilen zu den Tagen nach Erscheinen meines ersten Romans, denn tatsächlich tut sich manches.

Das erste Exemplar, das ich in der Hand hielt, war nicht etwa ein Autorenexemplar. Es war eines, das ich in meiner Stammbuchhandlung fand. Love! Inzwischen sind aber auch meine Autorenexemplare da.

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Ein quicklebendiger Buchladen in einer klinisch toten Altstadt: der Buchladen in Oppenheim
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… und drinnen liegt mein Roman.
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So sieht er daheim im Bücherregal aus.

Via Verlag hat sich ein Redakteur der SWR-Landesschau gemeldet. Dort werde ich am 24. April Studiogast sein – live. Hausaufgabe vom SWR: mir ein paar Ausgaben anschauen, damit ich einen Eindruck bekomme, was auf mich zukommt. (Der Redakteur: „Haben Sie die Landesschau schon mal gesehen? Ist wahrscheinlich nicht Ihre Lieblingssendung.“ … gelebtes Understatement)
Sowas wirft einen zurück in finsterste Schulzeiten. Mache ich die Hausaufgaben? Schließlich schaue ich fast nie Fernsehen, ich lese halt lieber. Und früher habe ich mich in den meisten Fällen auch gegen die Hausaufgaben entschieden und andere Dinge getan. Solche Verhaltensweisen können allerdings ganz schön bunte Lebensläufe produzieren. Also doch mal reinschauen? Hm. Sind ja noch ein paar Tage.

Stichwort Landesschau: Einer, der dort schon mehrfach Gast war, ist Maximilian. Ich hatte vor etwa fünf Jahren die Ehre, eine Reportage über ihn schreiben zu dürfen. Damals kämpfte er gegen Leukämie. Er sah gespenstisch aus, blass und abgemagert. Und nicht nur, dass das Schicksal ihm diese furchtbare Krankheit verpasste. Während der Therapie traf er auf andere junge Menschen – bis hin zu Kleinkindern – die es nicht packten. Wer möchte solch eine üble Scheiße erleben? Wenn man es erleben muss, soviel ist sicher, wächst man daran. Maximilian ist ein Beispiel dafür. Obwohl er die Krankheit besiegt hat, kämpft er weiter – für andere.
Gestern fand zum zweiten Mal der von ihm initiierte Spendenlauf statt. Zehn Kilometer durch die Weinberge, und bei der zweiten Steigung dachte ich, meine Oberschenkel explodieren. Aber es war klasse, es war wunderschön, es hat Spaß gemacht, und ich bin mir sicher, dass der positive und lebensbejahende Spirit dieser Veranstaltung ein bisschen wie Doping gewirkt hat. Gerade in Zeiten, in denen sich Hass wieder verbreitet, ist es schön, wenn Menschen einfach positive Dinge tun.

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Links: Maximilian. Rechts: Autor und Jogger Ingo
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Wenn du diesen Ausblick hast, tun deine Beine weh – garantiert!

Beim abendlichen Playstation-Rumgammeln mit meiner Ältesten und nebenbei Ruzzle-Zocken auf dem Smartphone („Ich kann jederzeit aufhören“) werfe ich einen Seitenblick ins Netz („Auch damit kann ich jederzeit …“) und – ha! Da ist sie: meine erste Amazon-Rezension! Und im Gegensatz zur knackig-kurzen allerersten Rezi ist sie episch. Ist das nicht geil? Dein Buch ist auf der Welt, es ist unterwegs, Leute kaufen es, lesen es und äußern sich dazu, und es geschieht ganz einfach, völlig unvorhersehbar und plötzlich … Ich hoffe, ich werde mich nie daran gewöhnen.

 

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Tag X

Irgendwie ist dieser 2. April ein erschütternd gewöhnlicher Tag. Fast hätte ich heute morgen meinen Zug verpasst, aber dank der standardmäßigen 5 Minuten Verspätung bekam ich ihn dann doch. In Mainz ging es zunächst noch in zwei Buchhandlungen, um mein Lesungsplakat ins Schaufenster und mein Buch ins Sortiment zu kriegen. Zum Beispiel in der kleinen, liebenswerten Buchhandlung Claudius, die ich gerne verlinken würde, die aber keine Webpräsenz hat. Ein Statement pro analoges Buch in einer digitalen Zeit. Respekt.

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Tolle kleine Buchhandlung: Claudius in der Mainzer City

So verbreite ich also fußläufig Propaganda für meinen Erstling und meine erste Lesung, in der ich diesmal keine abgefuckte Pappmappe voller loser Blätter auspacken, sondern aus einem – meinem! – Buch lesen werde.

Bloß – ich hab es noch nicht. Im Gegensatz zu meinem Vater, der bereits letzten Freitag, also vier (!) Tage vorm offiziellen Erscheinungstermin von seiner Buchhändlerin benachrichtigt wurde, das Buch sei abholbereit. Und heute morgen whatsappt mein Besti, dass er es auch schon hat …

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Trotz Crime-Balken im Gesicht hat mein bester Kumpel die Bücher bezahlt.
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In Plastik gehüllt, auf einem Geschirrtuch gebettet: das Exemplar meines alten Herrn

Jetzt ist also der 2. April, der Erscheinungstag meines ersten Romans, und mein Buch erscheint tatsächlich, ist tatsächlich erschienen – nur nicht bei mir.

Aber das kann ja noch werden. Der Tag hat noch ein paar Stunden, meine Autorenexemplare können immer noch pünktlich ankommen. Zum Beispiel heute Nachmittag. Oder am frühen Abend. Die Paketfahrer müssen ja dieser Tage bis weit in den Abend schuften, damit verwöhnte First-World-Konsumenten ihre Schuhe, Nasenhaartrimmer und Autorenexemplare bis an die Haustür geliefert bekommen. Also mal abwarten.

Schon vor diesem heiligen heutigen Tag ist übrigens einiges passiert. Bereits vor einer Woche stand die erste Rezension im Netz. Am 4. Mai bin ich als Talkgast in die Mainzer Bar jeder Sicht eingeladen. Im Magazin STUZ gab’s ein nices Interview. Piper hat meine Postkarten auf der Leipziger Buchmesse an Literaturblogger verteilt und Promo gemacht – wie geil ist das!

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Meine Postkarte im Virgin Buchladen im Mainzer Hauptbahnhof.

Ich bin jedenfalls mega-gespannt, wie es weitergeht. Denn offiziell geht’s ja heute überhaupt erst los.

Am Ende des Tages

Mein Nachbar, der mit Bitcoins zu Geld gekommen ist, muss nicht mehr arbeiten. Nie wieder. Er war mal Gymnasiallehrer. „Kinder sind Arschlöcher und Jugendliche sollte man umbringen“, ist seine Meinung. „Menschliches Unkraut, das mit den Psychosen und Neurosen seiner Eltern gedüngt wird. Wie kann man wollen, dass die erwachsen werden? Meinetwegen können sie alle vor die Hunde gehen. Warum muss die Menschheit älter werden als ich?“ Continue reading „Am Ende des Tages“

Bäm and gone

Das war’s leider mit Doggystyle beim Blogbuster-Wettbewerb. Sophie Weigand (Literaturen) hat sich für ein anderes Manuskript entschieden, mit dem sie in die nächste Runde zieht.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland von Axel Oswalds Hundeentführungen verschont bleibt. Das „Herr der Hunde“-Manuskript ist heiß und wird auf jeden Fall weiter in meinen Lesungen für Schwanzwedeln sorgen. Und eines Tages sicher auch in Bücherregalen gut aussehen.

Bis dahin gibt es hier und hier Auszüge zum Lesen. Faule Hunde lassen sich was vorlesen, das geht hier und hier.

Die vielen Leben des Adam G., Teil 1

Ich habe mittlerweile ein halbes Dutzend abgebrochener und halbfertiger Romanmanuskripte, in denen die Hauptfigur Adam Götzki heißt. Möglicherweise klebt Pech an diesem Namen. Oder er ist verflucht. Vielleicht ist das Problem auch, dass Adams Existenz IMMER eine kaputte ist. Egal ob als Privatdetektiv, Journalist oder Doktorand. (Update: inzwischen auch als arbeitsloser Alkoholiker). Er ist immer am Arsch. Immer irgendwie das, was man heutzutage „abgehängt“ nennt. Mag sein, ich schreibe die Sachen nicht fertig, weil die Figur zu fertig ist.

Weil ich also Angst habe, dass es vielleicht nie zu einem fertigen Roman (oder wenigstens einem fertigen Manuskript) mit einem Adam Götzki als Hauptfigur kommen könnte, werfe ich kurze Episoden ins Netz. Viel Spaß! (Update: vielleicht auch nur diese eine …) Continue reading „Die vielen Leben des Adam G., Teil 1“